Nordhausen 17.07.2007 Herr Nagel hat in der nnz auf die gestrige Meinung der JuLis zu den Protestaktionen rund um die Bike Systems GmbH in der nnz geantwortet.
Einmal abgesehen davon, dass er ein plattes und nichts desto weniger falsches Standardvorurteil gegen Jungliberale wiederholt, diese seien unerfahrene, arrogante und kalte Betriebswirtschaftler, die Avantgarde des Neoliberalismus, finden wir Herr Nagels Einwendungen vollkommen richtig und wichtig.
Herr Nagel hat sozusagen, den Nagel auf den Kopf getroffen. „Mit wem, sehr geehrte JuLis, sollte man sich in dieser Situation solidarisieren?“ Auf jeden Fall mit den Betroffenen, Herr Nagel! Wobei wir JuLis mit Sicherheit aber keine Solidarität derart heucheln, dass bei den Beschäftigten die trügerische Hoffnung genährt würde, das Problem würden wir oder andere schon richten. Werden wir und die anderen eben nicht! Und es wird auch keiner der linken Politiker, die jetzt so lautstark in Solidarität machen. Selbst wenn Lone Star im Augenblick die Schließung hinausschiebt, es wird nur eine kurze Gnadenfrist bleiben. Solidarität hingegen würde heißen, wir geben von unseren Brötchen den Notleidenden etwas ab. Alle wissen natürlich, dass Studenten – auch der Betriebswirtschaftslehre – gewöhnlich kaum überzählige Brötchen besitzen. Wer aber wirklich Solidarität bekunden möchte, der soll dann auch bereit sein zu teilen – Brötchen, übertragen: Verantwortung und ehrlich gemeintes Engagement. Genau das können aber die linken Politiker in Bezug auf den Erhalt der Arbeitsplätze nicht. Und deshalb ist es Heuchelei, wenn sie, die ihre Brötchen sicher im Beutel haben, „Solidarität“ schreien, ohne etwas bewirken zu können und zu wollen. Das ist purer Populismus und Stimmenfang, Instrumentalisierung von Ängsten der Verlierer. Und das ist gefährlich, da es die betroffenen Menschen in ihrem Protest zu passiven Duldern degradiert. Daraus wird Wut, Verzweiflung und Aggression erwachsen.
Verantwortungsvolle Politik und gelebte Solidarität sieht anders aus. Das wollen wir JuLis: Strukturen und Lebensperspektiven schaffen und uns einbringen; ehrlich sein und den Leuten nichts vorgaukeln, wie wir das derzeit auf dem Gelände in der Freiherr-vom-Stein-Straße erleben. Solidarität ist eben viel mehr als eine Unterschrift oder ein Protestplakat, die nichts kosten und zu nichts verpflichten.






